Wiesenburg – Perle des Fläming
Ein Schloss, ein Park und vierzehn Dörfer – eines davon ist Klepzig.
Klepzig, von wo Flämingradio sendet, gehört zur Gemeinde Wiesenburg/Mark. Hier bin ich aufgewachsen, war viele Jahre Ortsvorsteher und habe an unserer Dorfchronik mitgeschrieben. Auf dieser Seite zeige ich euch, was unsere Gemeinde ausmacht.
Schloss und Park Wiesenburg
Wahrzeichen der Gemeinde ist das Schloss Wiesenburg. Von der mittelalterlichen Burg steht heute noch der Bergfried, den man besteigen kann. Nach 1945 war im Schloss eine Oberschule mit Internat untergebracht, heute ist es in privater Hand.
Rund um das Schloss erstreckt sich der Schlosspark, 127 Hektar groß und im englischen Stil angelegt. Vor dem Schloss werden jedes Jahr Teppichbeete nach historischem Vorbild bepflanzt, und im Mai und Juni blühen die Rhododendren in allen Farben. Wer mit dem Zug kommt, steigt am Bahnhof Wiesenburg aus und spaziert durch den Park zum Schloss.
Viele Dörfer, eine Gemeinde
Seit 2001 bilden die Dörfer rund um Wiesenburg gemeinsam die Gemeinde Wiesenburg/Mark: Benken, Grubo, Jeserig, Jeserigerhütten, Klepzig, Lehnsdorf, Medewitz, Mützdorf, Neuehütten, Reetz, Reetzerhütten, Reppinichen, Schlamau und Wiesenburg selbst, dazu kleine Ortslagen wie Schmerwitz, Welsigke oder Spring. Zusammen leben hier gut 4.000 Menschen auf rund 220 Quadratkilometern, viel Platz und viel Wald.
Klepzig ist eines der kleinen Dörfer, und meine Familie ist hier seit Generationen zu Hause. Mein Urgroßvater Gottlieb Ihms war Gastwirt im Ort, die alte Ansichtskarte zeigt sein Gasthaus. Was Klepzig für mich besonders macht, ist die große Wiese in der Ortsmitte mit Fest- und Volleyballplatz, um die sich Häuser und Höfe scharen. Wäre sie nicht da, wir passten alle in einen einzigen großen Neubaublock.
Das Gasthaus war damals viel mehr als eine Kneipe. Meine Urgroßeltern Gottlieb und Minna betrieben dort auch einen Kolonialwarenladen, und sogar die Posthilfsstelle des Dorfes war im Haus untergebracht. Wer einkaufen, einen Brief aufgeben oder einfach Neuigkeiten hören wollte, kam hier vorbei. Getanzt und gefeiert wurde natürlich auch, mit Blasmusik und reichlich Bier.
Später führten mein Großvater Robert und seine Frau Agnes das Haus weiter, bis in die 1960er Jahre. Krankheit und andere widrige Umstände führten schließlich zur Schließung. In der Erinnerung lebt das Haus aber bis heute weiter.
Nachgedacht: Hermann Boßdorf zum 149. Geburtstag
Am 29. Oktober 1877 wurde in Wiesenburg Hermann Boßdorf geboren. Vor wenigen Tagen hätte er seinen 149. Geburtstag gefeiert, und doch kennen ihn bei uns nur noch wenige.
Dabei war der Junge, den sie im Dorf „Manne“ riefen, einer der bedeutenden plattdeutschen Dichter seiner Zeit. Als Kind zog er mit seiner Familie nach Hamburg, arbeitete dort als Telegrafenbeamter und schrieb nebenher Gedichte, Erzählungen und Theaterstücke. „De Fährkrog“ und „Bahnmeester Dod“ wurden auf großen Bühnen gespielt.
Seine Heimat hat er nie vergessen. Er zeichnete den Schlossturm, die Marienkirche und das Luisenstift, in dem er als kleiner Junge zur Warteschule ging. Auf seiner Selbstkarikatur von 1912 liegt er im Gras, neben sich seine Bücher und ein Fass Wiesenburger Schlossbräu. Und kurz vor seinem Tod schrieb der schwer kranke Mann:
„Ha! wenn ich kein körperl. Unbehagen zu überwinden hätte und dann so ein halbes Jahr in meiner alten Heimat Flämingluft atmen könnte — was wollt ich dabei schaffen!“
Er hat es nicht mehr geschafft. Hermann Boßdorf starb 1921 in Hamburg, mit nur 43 Jahren. Im nächsten Jahr jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal. Vielleicht ein Anlass, sich in Wiesenburg wieder an ihn zu erinnern.
